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Das ist simple Taxidermie

[He,]

[eine Frage an das höchstverehrte Publikum:

Was wollt ihr lieber?

  • Eine längere Erzählung (Phantastik)
  • Ein Experiment mit dem so unterbenutzten Medium
  • Kekse(sic!)

EDIT: Ich habe Disqus zum Laufen gebracht, was Diskussionen & Rückkopplung erleichtern sollte, jedenfalls ein bisschen. Klickt bei jedem beliebigen Post auf das Datum oder die liegende Acht, um zum Diskussionsteil zu gelangen. Hussa. 

]

    • #Organisatorisches
    • #benutzt den Noch Fragen?-Reiter
    • #oder klickt auf Antworten
    • #keine Ahnung
  • Vor 1 Woche
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Diverse Selbsttäuschungen

Wenn er sich zu weit aufrichtete, fielen sie ihm ins Auge, winzige Motten in den Winkeln zwischen Decke und Wänden, dort wo die Models nicht gut aneinandergefügt waren und aliasierten, und er duckte sich ein wenig, nur um die Illusion nicht zu verderben. Dadurch aber schob sich ganz unerwartet die Textur seines Hinterkopfes durch seine Kehle und alles war vergebens.

    • #kleinepik
    • #text
    • #deutsch
  • Vor 1 Woche
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Torwart

Ich kam durch Zufall mit Jens ins Gespräch, als er eine etwas abgewetzte Couch loswerden wollte, auf dem Gehsteig vor seiner Bleibe, gegenüber von meiner. Ich erstand die Couch aus einer impulsiven Sympathie und weil ich neu in der Stadt war und kein einzes Möbelstück besaß, außer einer unangenehm nach Plastik riechenden Matratze

Wir trugen das Ding die Treppen zu meiner Dachbodenwohnung hinauf, und dort tranken wir zwei warme Biere und sprachen über Ameisen und Termiten, bevor Jens sich, sein Bier kaum geleert, unter einem Vorwand entschuldigte und zu seiner Wohnung zurückeilte. Ich erfuhr erst einige Zeit später, dass er Notorologe war oder eher Notoropraktiker. Hauptsächlich war er mäßig erfolgreicher Student irgendeines völlig unzusammenhängenden Feldes.

Ich interessierte mich bereits sehr für Notorologie und insbesonderes Ostien bevor mich mit Jens anfreundete. Nun ist es so, dass man, nachdem man den Wikipedia-Artikel und den Eintrag in Meyers Konversationslexikon überflogen hat, die Quellenlage dünn wird, hauchdünn, mikroskopisch fein. Alle maßgeblichen Werke  stammen aus dem dritten Viertel des 19. Jhds und sind dementsprechend schwer aufzutreiben. Die meisten Experten für Notorologie sind so weit in Theoreterei oder Halbseidigkeit versunken, dass es aussichtslos scheint, mit einem Kontakt aufzunehmen. Schlimmer noch, Notorologie im Allgemeinen ist so weit mit Auflagen weltlischer und geistlicher Natur beladen, dass man die wenigen universitären Lehrstühle, die als einzige Nachdrucke und Neuausgaben autorisieren dürfen, jedes Jahr weiter in Verfall und Vergessenheit geraten lässt. Und dann ist da die Geheimpolizei…

Ich begegnete Jens häufiger, bevor ich eines Tages feststellte, dass da tatsächlich eine Ostie in seiner Wohnung war, direkt an der Südwand gegenüber der Toilette, Verchluss oder Grund einer lieblos in eine Ziegelwand gehauenen Türöffnung. Sie war aus Apfelholz, denke ich, das Schloss mit einer Bleiplombe versiegelt und die Fugen mit einem ähnlichen, ungleich härteren Metall verschlossen. Ich sah sie, als ich das erste mal bei Jens vorbeischaute, um ihm eine ausgeliehene CD zurückzubringen. Die Wohnungstür stand offen, Jens saß hinter einem Schreibtisch, der etwas fehl am Platz wirkte, als hätte man ihn erst kürzlich und provisorisch umgeräumt, und las in irgendeinem Buch, hin und wieder lässig Notizen auf einen Bogen DIN A4 Papier werfend. Es entging mir nicht, dass er so saß, dass er die Apfelholz-Tür ständig im Blick behalten konnte.

Obwohl ich ein wenig aufgeregt war, fragte ich zuerst nach der so viel unwichtigeren Pforte, derjenigen, die die Wohnung verschloss.

“Ach,”, murmelte er, seine Lektüre beiseitelegend “Ich lüfte momentan viel.”

Wir sprachen ein wenig über das Album. Es war ein seltsamer, für das ungeübte Ohr fast beleidigender Hybrid gewesen, 12-tonale Dance-Trance mit verschachtelten Texten, die nur als expressionistisch zu bezeichnen waren. Selbst der Name der Band war schwer zu lesen und unmöglich auszusprechen.

Schließlich brachte ich das Gespräch mit der mir eigenen Eleganz auf ein brennenderes Thema.

“Schicke Ostie. Ist das ‘ne Wohnung? Ähhh, andersherum, andersherum. Ist das eine Ostie da drüben oder ist das die Tür zu deinem Reizkrel—, nghh, HEIZ-keller?”

Er blickte mich mit großen, blanken Augen an. Dann musste er lachen.

“Klar ist das ‘ne Ostie. Deswegen kann ich mir die Wohnung doch überhaupt leisten…”

Es stellte sich heraus, dass Jens eine Art notorologischer Hausmeister war. Die Stadt oder das Land oder der Bund oder der Verfassungsschutz zahlten dem Hausbesitzer einen gewissen Betrag, damit er auf diese Ostie achtgab und dieser verrechnete das mit der Miete und legte noch etwas drauf, bevor er es an Jens weiterreichte. Dafür hielt Jens ein Ohr und ein Auge offen, blieb nie zu lange ohne Vorankündigung weg und schickte jeden zweiten Tag eine Email an den Vermieter. Und in unregelmäßigen Abständen kamen Inspekoren des Bauamtes oder des Bundesgrenzschutzes vorbei und durchleuchteten dunkle Winkel mit ihren kleinen Stabtaschenlampen.

Es schien eine erstrebenswerte Vereinbarung, vor allem aber ließ sie jemand Neugierigen wie meiner Wenigkeit ein wenig Spielraum. Ich nahm mir vor, als ich zurück nach Hause ging, jetzt so viel wie irgend möglich bei Jens herumzuhängen, die Ostie zu beobachten und abzutasten, wie viel Jens bereit war zu riskieren.

Womit ich nicht gerechnet  hatte, war der Verfall, der über die nächsten Wochen einsetzte oder wahrscheinlicher bereits eingesetzt hatte, als Jens es für nötig hielt, seinen Schreibtisch so umzustellen, dass er die Tür ständig im Auge behalten konnte. Dieser Verfall… oder Krise war erst schwer zu greifen, dann deutlicher, aber immer noch nebelhaft in ihren Ursachen und Ausmaßen. Jens schwankte zunehmend zwischem munterem Geplauder und abwesendem Starren. Stufenweise gingen ihm das Bier, das gute Essen, das haltbare Essen und das vergammelte Essen aus, ich musste ihm mit meinen Vorräten aushelfen, bis ich de fakto alle Einkäufe für ihn mit erledigte. Immer wieder traf ich ihn zu unerwarteten Zeiten in seiner Wohnung an und stellte fest, dass er schon wieder eine Veranstaltung, eine Verabredung, eine Verrichtung abgebrochen hatte. Es gab noch mehr, die nachlässige, aber praktische Art, wie er sich jetzt kleidete, seine notorologischen und pseudonotorologischen Lektüren, der Fäustel, der jetzt offen auf dem Tisch lag, die Eisenstange, die hinter dem Türstock lehnte, seine kuriosen Schlafenszeiten, die Art und Weise, wie er während seiner gesprächigen Perioden von den Fersen auf die Zehen und wieder zurück wippte, das Gespräch, dass mir seine direkte Nachbarin aufdrängte…

“Worauf wartest du eigentlich?”, fragte ich ihn.

Er senkte das Buch in dem er gelesen, flach auf die Tischplatte, einen Finger noch zwischen den Seiten.

“Ich habe gar nicht bemerkt, dass du hereingekommen bist,” sagte er, die Stirn gerunzelt.
“Du lässt die Tür ziemlich oft offen. Arg slymbl- symbolisch, nicht?”
“Wenn du damit eine Parallele zwischen der Wohnungstür und der Ostie implizierst, dann wäre das eher ikonisch.”
“M-hm. Und lass mich meine Originalfrage unformul— ngh… umformulieren, du wartest nämlich nicht so sehr, als dass du dich auf etwas einstellst.”
“Ein— Ich weiß nicht.”
“Du gehst vor die Hunde. Du schläfst in Viertelstunden-Intervallen und isst Scheiße.”
“Ich habe da so ein Gefühl.”
“Das etwas durch diese Ti- Tür kommt?”
“Das ist eher eine Gewissheit… ich denke nur, es ist etwas, das nur mich etwas angeht.”

Ich untersuchte die Ostie unverhohlen, zum ersten Mal. Trotz der Situation machte schon die Textur des Apfelholzes unter meinen Fingern mein Herz höher schlagen.

“Sie verschiebt sich in diesem metallenen Siegelrahmen…”

“Sie haben sie zu eng gefasst. Der Rahmen drückt die Scharniere auseinander. Sie wird nicht von allein  aufgehen, aber wenn sich irgendwas Mühe gibt…”

“War schon länger kein Kantr— Kontrolleur vom Bauamt mehr da?”

“Nee, und von den Geheimen auch nicht. Ich denke, die wissen, dass hier was passieren wird. Sie wollen, dass es passiert oder vielleicht wollen sie mich testen…”

“Vielleicht sind sie auch nur faul und inkompetent. Schon mal drüber nachgedacht, dass dieser…Klimax auf den du wartest., vielleicht schon vorbei ist? Das diese schizoad— hrngh, schizoide Phase, die du gerade durchmachst, vielleicht alles ist, was durch die Tür gekommen ist?”

Er erschrak ein bisschen, runzelte die Stirne.

“Schizoid?”
“Was denkst du, wie es von außen aussieht.”
“Ach Gott. Was soll ich tun?”
“Ich hätte da einen Vorschlag. Lass mich mit deinem Vermieter sprechen, ich übernehme die Wohnung und Aufsicht für eine Woche oder zwei. Du fährst zu deinen Eltern, deinen Freunden oder einfach mal weg. Du kannst  mein Auto benutzen, wenn du willst.”
“Nein. Danke für das Angebot, aber nicht jetzt. Wenn in einer Woche immer noch nichts passiert ist, versprochen. Aber ich habe das Gefühl, dass jetzt jeden Moment was passieren kann.”
“Sicher. Wie lange hast du dieses Gefühl schon?”

Er machte eine kauende Bewegung mit dem Unterkiefer, blickte kurz zur Seite. “Seit d- ‘n paar Stunden.”
“Ach. Na gut, wie du willst.”, ich stapfte wütend aus dem Raum.

Keine fünfzehn Minuten später war ich wieder da, mit meiner stinkenden Matratze und Vorräten für eine Woche.

“Ich werde dich nicht allein lassen, Mann. Du bist ein Freund, und ich denke, du brauchst hier Hilfe. Ich kann eine Woche erdbee— entbehren. Du musst ausgeschlafen sein, wenn wirkllich was passiert.Leg dich aufs Ohr, wenn was ist, wecke ich dich.”

Ich begann, kleine Mikrophone und eine Webcam um den schwarzen Spalt am Rand der Tür herum zu befestigen.

“Was machst du da?”
“Ich stelle ein paar Stan— Studien an. Mal schauen, was sie da drüben im Radio spielen. Vielleicht Trance.”
“Heh. Danke. Ich weiß gar nicht, wie ich dir danken soll. Lege deine Matratze am besten in den Flur. Ich… mache mal ein kurzes Nickerchen, ich denke in ein, zwei Stunden bin ich wieder wacher. Ich stand hier kurz vor dem Zusammenbruch.”

“Kein Ding, lass die Tür offen. Ich rufe dich, wenn…”
“Danke, im Ernst, danke.”
Alles lief besser als erwartet.

Er ging in sein Schlafzimmer, ich setzte mich auf seinen Stuhl und zählte leise bis tausend, während ich über Kopfhörer das schwache Wimmern an der anderen Seite der Tür belauschte. Ich stand auf, nahm den Stuhl mit und entfernte die Batterien aus den Feuermeldern in der Küche, im Flur und im Treppenhaus.

Dann ging ich in Jens’ Schlafzimmer, kontollierte, ob er auf der Seite lag, falls er sich in der blinden Betäubung übergab, in die ihn die Medikamente versetzt hatten, die ich seit Tagen in seine Nudeln und Fertigpfannen geschmuggelt hatte. Ich hatte nicht riskieren wollen, ihn niederschlagen zu müssen. Schließlich war er ein verlässlicher Freund.

Dann wartete ich noch einmal zehn Minuten, schloss ihn im Schlafzimmer ein, dichtete seine Tür von außen mit Klebeband gegen den baldigen beißenden Gestank ab und brannte mit Thermit ein Loch in die Ostie, direkt durch das Schloss. Ich musste ständig nachheizen und meinen ganzen Magnesium-Vorrat verwenden, um die seltsame Legierung zu schmelzen, mit der man die Tür rundum abgedichtet hatte. Das Apfelholz wellte sich und schwelte, fing aber nicht Feuer und vertrug die Hitze viel besser als der splitternde Beton und die brechenden Ziegeln. Schließlich öffnete ich die geschwärzte Pforte mit einem Stemmeisen.

Nichts schnellte daraus hervor. Nichts walzte heran. NIchts schälte sich aus dem im Türrahmen hängenden Rauch. Bis auf, gewissermaßen, eines.

Ich.

Der gute Jens hatte natürlich recht gehabt. Etwas würde durch diese Tür kommen, etwas würde den Schleier zerreißen, etwas würde das Ende der Gnade bringen. Er hatte es nur aus der völlig falschen Richtung erwartet. Ohne mich weiter aufzuhalten, schritt ich durch die Ostie in die klamme, heimatliche Dämmerung dahinter. Gekrümmte, in unwahrscheinlich vielen Dimensionen gekrümmte Dinge heulten und versuchten, vergeblich, meinem durchdringenden Blick zu enthuschen. Vielleicht erkannten sie die Schwere in meinem Gang. Vielleicht verstanden sie mein Halblächeln. Vielleicht war es nicht wichtig.

Ich schloss die Tür hinter mir.

Nebenan kämpfte Jens sich aus schwarzstummen Träumen zurück ans Licht.

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  • Vor 2 Wochen
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Prognose: Millennia

“…kannst du mit”, sagt Mama, die plötzlich in der Tür steht.

Reflexartig rolle ich mich aus dem Bett, ziehe das T-Shirt aus der Hose und blinzele den zähen, lähmenden Halbschlaf aus meinen Augen, bevor ich verarbeitet habe, was sie gerade gesagt hat. “Wir fahren den Harald besuchen. Wenn du willst, kannst du mit.” und den Ende des Satzes etwas nach oben gezogen und sehr neutral, wie eine höfliche Frage. Aber es hilft nichts, ich muss mit, auch wenn ich mich scheiße fühle und echt nicht will. Ich muss es tun, weil man manchmal… ach, ich weiß nicht.

Ich nicke und sage irgendetwas wie “Ein Moment.” und sie sagt etwas wie “Du hast fünfzehn Minuten” und fünfzehn Minuten später sitzen wir im blaugrauen Volvo und fahren mit leicht überhöhter Geschwindigkeit nach Wb., zum Krankenhaus, wo sie Onkel Harald behandeln, so gut sie eben können.

Klara kommt nicht mit und obwohl ich das nicht gut finde, kann ich es ihr nicht übelnehmen.

Papa fährt ein bisschen zu schnell, damit er auf die Straße starren kann und nur mit Gemurmel antworten. Mama braucht keine Entschuldigung, um zu schweigen… die Fahrt zieht sich wie alter Honig. Ich nicke ein paar Mal ein und wache in schlechterer Verfassung wieder auf, Schwindel und trockener Mund und müder als vorher.

Die Straßen um das Wb.er Krankenhaus sind mir seltsam unbekannt. Ich kann den Weg bis auf die letzten fünf Minuten gut nachvolliehen, aber als ich dann für ein paar Sekunden abdrifte, trifft mich die Verlorenheit wie eine Kopfnuss. Was sind das für Häuser?

Dann fahren wir auf einen Parkplatz und Papa flieht praktisch aus dem Auto, Richtung Eingang, und ich brauche eine Ewigkeit um meinen Verstand aus dem Fußraum zu kratzen und auszusteigen, und Mama braucht irgendwie noch länger, sorgenvoll schnaubend und mit dem Gurt ringend. Wir gehen zusammen zum Empfangssbereich, wo Papa bereits irgendwelche Formalitäten geregelt hat oder es sich einbildet.

“Er ist nicht mehr in 23a”, sagt er, mit einem traurigen Kopfschütteln, “Er ist  jetzt auf ‘Ebene 4.’” Was auch immer das jetzt heißen mag.

Wir benutzen den Aufzug mit einer kleinen kraushaarigen Grauhaarigen, die nach Desinfektionsmitteln und Gülle riecht. Wir finden die Ebene vier, zwei Korridore in einem etwas höheren Teil des Gebäudes, dieser Festung aus assymetrischen Schuhschachteln. Die meisten Räume dort sind Lager, Elektrogeräte und ein Büro. “Vielleicht hätten wir die Aufzüge auf der anderen Seite der Halle nehmen sollen”, sagt Mama, und Papa will gerade an der Tür des dunklen Büros klopfen, als ich es schaffe, mich zu Wort zu melden.

“Da!”, sage ich, und “Da ist.” und mehr fällt mir nicht ein. Stattdessen deute ich aus dem Fenster.

Auf dem Flachdach der überstehenden Etage unter uns, zu erreichen durch eine schwere Metalltür am Ende des Flurs, haben sie eine Art Stuhl aufgebaut, oder vielleicht eher ein Thron, aus schweren Holzbalken und riesigen Muttern und rostigen Gewindestangen. Ich hätte es nicht als Thron erkannt, hätte ich nicht als ich abwesend aus dem Fenster starrte, die im Wind flatternden Falten einer strickwestenbedeckten Schulter gesehen.

Onkel Harri liebt diese Strickweste… ich erinnere mich an den großen Geburtstag meines Opas, seines Bruders, und wie sie nebeneinander am Tisch saßen, jeder ein Restaurantmenü aus steifen, gelbem Papier in der Hand, und Formen falteten, Formen und Mensche und Tiere und sogar Maschinen, in einem freundlichen Wettstreit, Opa in seinem schwarzen Anzug ohne Krawatte und Onkel Harald mit seiner senfgrünen Strickweste.

“Ach du lieber Himmel.”, sagt Mama, tonlos. Ihre rechte Faust knackst.

Papa drückt die schwere Metalltür auf, die aussieht, als sollte sie abgeschlossen sein, es aber nicht ist. Wir treten hinaus auf das Flachdach, das mit erstaunlich feinem Kies belegt ist. Ein kleiner Trampelpfad führt an der Wand der Lagerräume vorbei und dann zu der Thronkonstruktion. Onkel Harald sitzt darauf, halb ruhend, halb festgeschnallt, in einem grünen Krankenhauskittel, die Strickweste wie eine Glücksdecke locker über seine Schultern gelegt. Es ist schwer, ihn zu erkennen… sie haben ihn angeschnitten, abgezogen, ausgehöhlt, ausgekratzt, abgeschabt, abgebeizt, ausgefressen und dann zurechtgefaltet und nicht mal mehr zugenäht.

“Guten Morgen, Harald!”, sagt Mama, freundlich aber ein bisschen zu weich. Sie ist viel zäher als Papa, der ihm nur zunicken kann, die Augen blank und flach wie Metallmünzen. Vielleicht wird er gleich weinen…

Harald antwortet nicht. Er hat noch eine Zunge, schwarz und blau und rosinenartig, aber es fehlt zuviel von seiner Kehle. Er ignoriert Mama und Papa ziemlich, es scheint alle seine Kraft zu fressen, seine so großen und runden und unbeschädigten Augen zu senken und nach links zu drehen, auf mich. Eines seiner pergamentenen Lider flattert, und eine Sekunde später begreife ich, dass er mir mit der gesamten Heiterkeit, die immer sein ganzes Wesen war, zuzuzwinkern versucht. Von irgendeinem Punkt jenseits meiner pochenden Schläfe bricht auf einmal ein Lächeln, ach, ein Grinsen hervor, so heftig, dass mir die Augen schmerzen.

Er aber, befriedigt, dreht die Augen wieder himmelwärts. Vielleicht nickt er bisweilen sacht, wenn Mama ihm etwas von der Sippe erzählt oder Papa von seinem neuem Job oder umgekehrt. Vielleicht summt er leise hinten in der Kehle oder vielleicht ist es das Blut in meinen Ohren.

Nach einer Weile kommt eine Krankenschwester mit einer Kanne Kaffee und einer Decke vorbei und wir setzen uns auf die Decke und die Alten trinken Kaffe, sogar die Krankenschwester, nur Onkel Harri nicht. Ich denke nicht, das das normal ist für ein Krankenhaus, aber ich weiß es nicht genau. Nach einer Weile kommt eine andere Krankenschwester dazu und ein Techniker oder Hausmeister, aber kein Arzt. Sie sitzen da und reden vor Haralds ruhigen Blick und so vergehen zwei Stunden und es wird dunkel, als wir wieder aufbrechen.

“Das ist eine interessante Behandlung, mit dem… Stuhl.”, bemerkt Papa, gleich hinter der Stahltür. “Ist das ein neuer Ansatz?”
Er ist in einer viel besseren Verfassung als vor zwei Stunden.

“Ich weiß nicht,”, antwortet die Krankenschwester. “Ich habe Sie nur auf dem Dach gesehen und dachte…”, sie zuckt mit den Schultern und verschwindet in einem unbeleuchteten Treppenhaus.

Ich fühle mich sehr müde, als wir zum Auto zurückkehren, verausgabt. Aber ich denke nicht, dass ich wieder einnicken werde, bevor ich wieder daheim bin und dann werde ich ein Dutzend Stunden schlafen und besser wieder aufwachen, ich denke, morgen wird ein guter Tag werden, und wenn nicht, dann übermorgen oder der Tag danach. Ich verstehe die Welt nicht mehr, aber das wird schon noch werden.

Als wir durch die Dämmerung fahren, reden Mama und Papa vorne im Wagen, fast zu leise, als dass ich sie verstehen könnte, und ihre Hände berühren sich manchmal wie durch Zufall.

    • #prosa
    • #Erzählung
    • #Geschichte
    • #Kind
    • #Eine ziemlich universelle Erfahrung?
    • #Entfremdung
    • #Gerontophile
    • #Zwischen Leben und Tod
    • #Untod?
    • #Aber ein cooler Stuhl
    • #Hätte ihn mehr beschreiben müssen
    • #naja ist ja noch
    • #offen
    • #Dein Wille geschehe
  • Vor 3 Wochen
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Anlauf

[Das Gedicht, das ich gestern auf dem Slam vorgetragen habe, so wie es in meinem Büchlein stand. Beim tatsächlichen Vortrag habe ich häufig improvisiert und mich ständig versprochen. Kam aber dennoch an…]

Aufwachen, Aufstehen,
Rausgehen, Aufmachen

Vom Himmel schwärt
heißes Blut-
Regen wär,
heißt es, gut.

Stadt wie Zähne, Stadt wie Faust
Knöchelnarben, Asphaltstaub

Krieche durch Sackgassen,
Schnupper an Abwassern
Im Hinterzimmer Kopfschütteln

Stirnrunzeln Unter Kohlküchen

Schleppe weiter endlos lang
Fremde Stufen, Fremdes Brot
Hohe Stufen, Salzig Brot
Schlepp mich weiter endlich dann-

 dann:

weggucken, wegducken, wegrucken, wegzucken,
Im Gemunkel, Gefunkel, Furunkel ich schunkel
Über die Schwarzbahn zurück ins Dunkel

Alte Höhle, Ziegelbrand
Spitz die Hacke, Loch in Wand
Biermörtel, Kipzement, Grasdach, Bleiplomben
Hinunter hinunter in die Katakomben

Löffel im Gebeinhaufen, bin nicht so verzweifelt
Hungrig ja aber doch mit Vorraussicht
Finde mein Zwischenlager,
süßer Most und Schwarzbrot
Kämpfe mit den Riesennagern
dann kühler Trost in Harzrot

Muss weiter, nicht heiter, kein Streiter, fei leider kei’ Seidla
Schwärze finden, Wunden flicken
Stiefel binden, Hunde fff-ferjagen, Nein sagen, weitergraben.

Tiefer, Schliefer, schiefer und Schiefer, mahlende Kiefer

Und dann?

Nach Stunden und Tagen und Wochen und Jahren
Abbauen, Ausbrechen, Abrechnen, Auftauchen
Senkrecht in die Grelle, auf einer Welle Rohöl
Kokon aus Polymeren, Lehm und Restmüll
Durch den Asphalt, Kraterpickel, Pockennarbe
Autoalarme und Haustierpanik

Schäl mich aus den Anti-Meteor,
stell mich der gadaffenden Menge vor
Rede zuviel, Furcht wird zu Furor
Immer noch kein Regen, Flucht über Hoftor

Das Gras kühl, hau mich aufs Ohr-

Alles still,  kein Kalkül, und des wors

    • #lyrik
    • #wettbewerb
    • #joa
    • #völliges chaos
    • #im Vortrag lustiger
  • Vor 3 Wochen
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Ein Projekt hebt sein schuppiges Haupt

He, ich habe da ein neues Projekt am Laufen:

Es ist ein Episodenroman.Bisschen Cyberpunk, bisschen Action, bisschen KLICKT DEN LINK

Updates täglich, bis ich die Lust verliere.
Hier ist alles in chronologischer Reihenfolge (hoffentlich).

    • #Organisatorisches
    • #deutsch
    • #Episodenroman
    • #periodensystem
  • Vor 1 Monat
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Nichts Außergewöhnliches

Über sich selbst zu schreiben ist entsetzlich. Zum einen endet das Geschriebene, ausnahmelos, entweder als schwülstiges Geständnis oder belangloser Alltagsbericht. Zum anderem stößt man mit der reinen, unverschnittenen Wahrheit höchstens auf ein nonchalants Hochziehen der Augenbraue, oder, wenn dem Leser dafür die Muskulatur fehlt,  ein schmales Grinsen.

So behaupten wir einfach, dass ich diese Zeilen in einem sehr kleinen, zentralgeheizten Zimmer niederschreibe, ein Zimmer mit zwei oder drei halbironischen Postern und einer ganzen Menge schmutziger Wäsche in kleinen Haufen, und nicht bei Algenlicht in den versiegelten Bleikammern unter dem uralten Rathaus. Sagen wir, der einzige Ausgang sei eine einfache Wohnungstür, leider nicht sehr gut gedämmt, aber stoßsicher. Sagen wir nicht, der Ausgang wäre in der Tat nur über die Äußersten Stufen des Schlafes erreichbar, und ende in einem seltsamen kleinen Irrenhaus im nahen W.

Versichern wir einander, dass diese Einrichtung wiederum nicht existiert und wenn doch, handelt es sich nur um eine Crackhöhle oder vielleicht das Lager einer dieser extremistischen Spittergruppen. Es handelt sich mit Sicherheit nicht um ein Torhaus zwischen einem Ort und einer ganzen Menge anderer, wie unsere hypothetische, nicht-existente Bleikammer unter dem nicht-hypothetischen, existenten Rathaus.

Dort befindet sich in diesem unseren Szenario auch keine kleine Kiste mit all meinen stofflichen Besitztümern und ein einfaches Bett. Und diese Kiste ist nicht mit einem Mechanismus gesichert, der den unbefugten Stöberer in die wüsten Ebenen jenseits des Kadaths zurückwirft.

Nun da wir das klarifiziert hätten, können wir festhalten, dass ich diese doch sicherlich kostspieligen, unwahrscheinlichen Einrichtungen nicht in Anspruch nehme, weil meine Feinde jeden Tag näher rücken, bereits, während sie heranpirschen, im Unterholz aufeinanderstoßen und sich vor Schreck gegenseitig ausknipsen, wenn sie nicht stattdessen ein Zweckbündnis abschließen und mich einkesseln, zu zweit, dritt, fünfundfünfzigst, achthundertundsiebt…

Als ich etwa gestern meine Bleibe verließ, durch eine einfache Tür vermutlich, nicht, indem ich mein Wachselbst die Stufen des tiefsten Schlafes hinuntertrug und in einem Sargbriefkasten hinterlegte, sprach ich nicht(wie denn auch) mit einem der unauffälligen Wächter des Hauses, dessen Gesicht ein wenig rau ist, fast schuppig, definitiv schuppig, der ständig zu rauchen scheint selbst ohne Zigarette und außerdem sehr schmutzige Fingernägel hat, eher Krallen. Er informierte mich nicht, dass jemand vormittags im Treppenhaus einen Brandsatz gelegt hatte, was aber anscheinend nur ein Trick war, um der Polizei den Zutritt zu ermöglichen, vermutlich um einige der Torträumer ausschalten zu können, um wiederum Exilanten in ihren Verstecken festzusetzen, eine so verworrene wie schmutzige Angelegenheit. Ich nickte nicht und ich ging auch nicht los und kümmerte mich um die Angelegenheit, um meine Miete weiterhin relativ niedrig zu halten.

Und als ich am Abend zurückkehrte, setzte ich mich nicht auf die Stufen jenseits des tiefsten Schlafes, blieb lange sitzen, und starrte in die dunkeldürre Türkisschwärze, bis meine Augen nicht mehr wehtaten und das Blut eingetrocknet war.

Stattdessen rauchte ich wahrscheinlich eine stinkende Selbstgedrehte am Treppenhausfenster oder etwas in der Art.

Wir sehen, am Ende bleiben auch hier nur schwülstigste Belanglosigkeiten übrig.

    • #geschlossen
    • #oberlehrer
    • #prosa
    • #ego
    • #text
    • #nichtphantastik
    • #phantastik
    • #syntaktische spielerei
    • #grammatisches gaunerstück
    • #booleanische bastardisierung
    • #fuzzy logic
    • #drache
    • #traum
    • #lovecraft
    • #somnophilia
    • #immer noch keine Geschichte
    • #FUUUUUU
  • Vor 1 Monat
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Schrecken in Schweinfurt

Frau G. kam nach Schweinfurt, raste mit monotoner Geschwindigkeit über die A70, meist auf der Überholspur, dennoch selbst überholt, überrundet von der Nachricht ihres Kommens, Frau G. kam nach Schweinfurt, unaufhaltsam, unaufgeregt, spritsparend, Frau G. kam nach Schweinfurt in einem zerschlagenen Golf Volkswagen, mit ihrem Zeigefinger, ihren Lippen, ihrem Koffer, Frau G kam  nach Schweinfurt,  und was in der Stadt lebte, erzitterte, als die Kunde eintraf, über Telephone, Radiosender, Facebook, denn Frau G. kam nach Schweinfurt.

Weiterlesen

    • #Prosa
    • #Erzählung
    • #geschlossen
    • #wiederholung
    • #wortspielerei
    • #Horror
    • #phantastik
    • #Ich habe nicht wirklich Ahnung oder Verbindung zu Schweinfurt
    • #außer der schlimmsten einer
    • #Es ist jedenfalls keine schöne Stadt
    • #Guter Ort für einen vollständigen Kataklysmos
    • #Im Kofffer ist eine Lichtquelle
    • #Sie leuchtet
    • #G steht für G-man
    • #deutsch
  • Vor 1 Monat
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Im Ewigen Eis

E. fuhr durch das mitteldeutsche Mittelgebirge, langsam wegen dem schlechten Wetter, überlegte gerade, ob er je ankommen würde, als das Auto fast von allein zu einem schlingernden Halt kam: vor ihm war ein LKW in einen Hang gefahren und umgestürzt und blockierte den Weg; erschrocken wendete E. sein Fahrzeug und ließ es zurück in die letzte Ortschaft rollen.

Im Ort wusste man bereits von dem Unglück, der LKW-Fahrer habe es, nur leicht verletzt, aus eigener Kraft hierhergeschafft, leider seien inzwischen die Telefone ausgefallen und die Straßen ins Tal absolut unpassierbar geworden: Steinschlag.  E. fuhr schließlich selbst hinunter und stellte fest, dass der Steinschlag tatsächlich die Straßen auf einer weiten Strecke ins Tal hinabgerissen hatte. So blieb ihm nur die Möglichkeit, ohnmächtig ein Bett in der einzigen Pension des Ortes zu mieten.

Nach der ersten Woche verlangte die Besitzerin und ihre verhuschte Familie keine Miete mehr, E. war Teil der Familie geworden, ein entfernter Cousin oder vielleicht eher ein moderner Vasall; morgens spazierte er zu den von Eis und Steinschlägen unpassierbar gemachten Ortsausgängen,  ging zu dem improvisierten Rathaus der abgeschnittenen Siedlung, wo es hieß, Strom und die Telefonlinien seien immer noch ausgefallen, der Funkkontakt zu unbeständig um irgendetwas zu übermitteln als die dringlichsten Hilferufe (es mangelte an Ascorbinsäure, Antibiotika und Alkohol), es sei nicht sicher, ob selbst ein Helikopter das Dorf erreichen könne, denn das Wetter sei stets schlimmer als das gestrige, und allgemein solle er sich weiter so besonnen verhalten wie bisher. Dann ging er in seine Bleibe, las in der “Politik” Aristoteles’, die er in seinem Koffer gefunden hatte oder fuhr mit dem Zeigefinger die bunten Linien seines Straßenatlases entlang, stellte sich vor, die äußerste Spitze seines Fingernagels sei sein Auto, lag da also, bis eines der Familienmitglieder mit einer Bitte an ihn trat, ein Dach oder Gehweg müsse von Schnee befreit werden, einer kranken Nachbarin oder Urgroßmutter sei eine Linsensuppe zu bringen, und er erledigte diese Aufgaben flink und klaglos, zu flink vielleicht, denn oft erledigte er derer zwei oder drei, während gekrümmte Onkels und aufquellende Tanten ihn halb mit Neid aus den dunklen Fenstern beobachteten, noch bevor es Mittagessen gab.

Das Mittagessen war stets ausgezeichnet, doch alles musste rationiert werden, auch aß E. seinen geringen Anteil nie ganz, damit zumindest die Heranwachsenden sich sättigen konnten. Nachmittags strich er dann wieder frei durch die Umgebung des Dorfes, wo jeder Weg an einer Felswand oder einem Abgrund endete,  wanderte zunächst allein, später mit dem verunglückten Kraftfahrer, der E. als natürlichen Verbündeten in dieser fremden Umgebung sah. Er trug einen Arm in einer Schlinge, deutlicher aber behinderte ihn die Schuld, die er empfand, weil sein Unfall auch E. in dieser Ortschaft gefangen hatte. Es war jedenfalls der Kraftfahrer, der, kaum dass sein Arm wieder belastbar war, zuerst begann, den Hang zu besteigen. Sie stiegen dort, hinauf und hinab, trafen alle paar Meter auf unsicheren Schnee und unpassierbares Eis, arbeiteten sich schließlich Meter um Meter vor, oft nur ein oder zwei Stunden lang, um zumindest den Stand vom Vortag zu halten.

Nachts waren durch den Schnee manchmal einzelne Lichter zu sehen in den unerreichbaren Dörfern im Tal und am gegenüberliegenden Hang, große Feuer wahrscheinlich, um Hilfe anzulocken vielleicht oder aus Furcht entzündet vor dem nachts so nahe heranrückenden Himmel. Nach zwei Wochen waren die meisten dieser Lichter verloschen, nur eines brannte noch jede Nacht, grün und stechend und böswillig. All das kümmerte E. wenig, er ging früh zu Bett und verließ das Haus mit der Dämmerung.

Leute begannen zu sterben, erst sehr leicht und schnell, fast freiwillig, dann langsamer und bitterer. Am Ende der vierten Woche fanden sie ein Dutzend sehr alter Menschen im Waldstück, unter einer dünnen Decke frischen Schnees, ihre Gesichter zu Grimassen gefroren. Es blieb kein Einzelfall. Sie legten die Toten, die sich unter der Woche ansammelten, in eine Schneewehe und begruben sie sonntags. Die äußeren und die kleineren Häuser verwaisten. Man rückte enger und enger zusammen während das Heizöl, Benzin und trockene Holz stetig abnahm. E. erledigte seine Laufarbeit jetzt direkt für das Rathaus, brachte Meldebögen, geschmolzenes Wasser und Holz zu den Nothäusern, verbreitete Nachrichten und überredete alte Männer, ihre Dachböden zu verlassen. Manchmal fragte er sich, während er etwa in einer ruhigen Minute eine Bleistiftzeichnung auf einer schneeweißen Seite der aristotelischen Politik anfertigte, ob er immer schon gewusst hatte, dass er hier sterben würde.

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Statue

Kann nicht gehen

Kann nicht sehen

Kann nicht sprechen

Kann nur brechen

Kann die Zeiten Überstehen

Kann nicht um ihr Leben flehen

Kann nicht buchen

Kann nicht fluchen

Kann nicht fliegen

Kann nicht lügen

Kann nur tragen einen Sinn

Kann nur stehen fürderhin

Kann nicht

Kann ich?

    • #Lyrik
    • #Reime
    • #Rhymes
    • #ich bringe hier die Hölle an Improlyrik auf euch herab
    • #in ungefähr 4 Minuten geschrieben
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    • #und getaggt
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